www.catility.de

Diplom-Biologin Birgit Rödder

Tierverhaltenstherapie
Beratung zu Katzenfragen

Informationen über das Clickertraining mit Katzen

 

Home

Informationen
Beschäftigung
Clickertraining, Teil I
Clickertraining, Teil II
Kratzen
Schnurren
Unsauberkeit
Zweitkatze
Felidae - wilde Verwandte

Leistungen

über mich

Kontakt

Links


tier-verhalten.de


Von Katzen und Knackfröschen
Mit Clickertraining das Leben von Katzen bereichern, Teil II

1. Lernziel: Clicker klassisch konditionieren
Damit das bisher unbekannte Clickgeräusch zu einem zuverlässigen Signal für die Belohnung wird, muss Mieze beide Reize miteinander verknüpfen. Den geeigneten Zeitpunkt bestimmt hauptsächlich die Katze durch ihre Aufnahmebereitschaft für Infos und Futter. Eine ruhige Atmosphäre ohne Störungen und Ablenkungen unterstützt ihre Lernfähigkeit.

In dieser Lernphase wird – ohne irgendwelche Anforderungen an die Katze – ein Mal geclickt und eine halbe bis zwei Sekunden später (!) ein Leckerli präsentiert bzw. zugeworfen. Dies wird etwa 30-40 Mal wiederholt. Wenn Sie nach diesen an 1-2 Tagen durchgeführten Übungen einmal hinter dem Rücken Ihrer Mieze clicken und die dreht sich sofort zu Ihnen um, ist das erste Lernziel erreicht – die klassische Konditionierung ist abgeschlossen, die Verknüpfung zwischen Clicker und Belohnung sitzt.

2. Lernziel: operante Konditionierung
Während es für Sie nun heißt, gewünschte Verhaltensweisen Ihrer Katze zu verstärken und "unter Kommando zu stellen", wird Ihre Katze lernen, dass sie das "Click" und damit ihre Erfolge selbst beeinflussen kann.

Einfache Startübung
Für den Anfang wählt man am besten eine sehr leichte Übung, z.B. das "Sitz". Warten Sie einfach, bis Ihre Katze sich zufällig hinsetzt und clicken Sie genau in dem Moment (einmal), in dem ihr Popo den Boden berührt. Sie wird sofort kommen, um ihre Belohnung abzuholen, dafür also wieder aufstehen. Dies ist völlig normal; der "Click" verstärkt und beendet eine Teilübung bzw. das Verhalten. Mieze wird sich später wieder hinsetzen – und wieder genau im richtigen Moment ein "Click" bekommen – und die Belohnung. Nach einigen dieser Aktionen wird sie sich spontan und gerne vor Ihren Augen hinsetzen – und ihre Belohnung bekommen. Jetzt können Sie die Anforderungen langsam steigern und einzelne Sekunden Sitzdauer "verlangen", bevor Sie clicken. Wenn Mieze nach dem Hinsetzen sofort wieder aufsteht, wird dies nicht kommentiert, sondern lediglich ignoriert. Nach einigen Versuchen lernt sie daraus, dass Hinsetzen und Sitzen bleiben zu einem angenehmen Erfolg führt – "Click" und Leckerli.

a) Verhalten formen (shaping)Clickertraining fördert die Kreativität - beim shaping schlägt "Paco" den Hand-Pfoten-Schlag mit gleichzeitigem Wangenreiben vor.
Einige Verhaltensweisen, wie Hinsetzen, Wälzen/Rollen oder Hinlegen, werden spontan gezeigt und können als solches verstärkt und mit einem Signal gekoppelt werden. Bei komplexerem Verhalten, wie z.B. "High Five" (Hand-Pfoten-Schlag) oder "Löwe/Tiger" (Hinsetzen und beide Vorderpfoten hoch), können Sie lange warten, bis Mieze dies spontan und perfekt ausführt. Hier ist es mehr als hilfreich, zuerst mit einer kleinen Annäherung an die gewünschte Bewegung zufrieden zu sein und diese zu verstärken. Da Ihre Katze am Erfolg lernen soll, müssen Sie ihr diesen auch ermöglichen, damit sie weiter mitspielt. Werden die ersten, richtigen Bewegungsansätze sicher ausgeführt, dann können die Anforderungen langsam steigen. Im Laufe der Übungen entwickelt sich das Verhalten weiter, es wird quasi geformt. 

Als Beispiel dient hier das Target, ein Stöckchen (z.B. Zeigestock, Essstäbchen), das die Katze mit der Nase (evtl. Pfote) berühren soll. Es ist später hervorragend zum "Dirigieren" der Katze geeignet und zur Unterstützung anderer Übungen.

Zuerst hält man das Target einige Zentimeter vor Mieze’s Nase. Neugierig wird sie sich nähern – und ein "Click" bekommen. Nehmen Sie erst das Target zur Seite und geben Sie schnell das Leckerli. Nach einigen Wiederholungen soll das Target tatsächlich mit der Nase berührt werden. Funktioniert dies sicher, dann üben Sie anschließend längere Berührungen. Jetzt wird die Position des Targets verändert, so dass die Katze sich für einen Erfolg bewegen muss; zuerst nur ein bis zwei Schritte, bei sicheren Erfolgen langsam mehr.

b) Einführung eines Signals/Kommandos
Erst jetzt, wenn Sie auf das Hinsetzen, bzw. die Targetberührung, Ihrer Mieze wetten würden, ist es angebracht, unmittelbar vorher das Signal, z.B. "Sitz", bzw. "Touch" oder "Tipp", zu sagen, für dessen Ausführung natürlich wieder ein "Click" kommt. Nach einigen Wiederholungen wird nicht mehr für spontan gezeigtes Verhalten (Hinsetzen) geclickt, sondern nur noch für aufgefordertes, und das Verhalten so "unter Kommando gestellt". Mieze wird sich auch weiterhin ohne vorheriges Signal hinsetzen, wenn ihr danach ist, dafür dann aber keine Belohnung bekommen.

Der Target ist ein hervorragendes Hilfsmittel zur Einführung weiterer Übungen, hier die Balancierstange.Wenn Sie explizit die Targetberührung der Katzennase mit dem verbalen Signal koppeln, können Sie das Target ohne "Kommando" als reines "Bitte folgen" einsetzen. Das "Tipp" kündigt dann den gewünschten Nasenkontakt zum Target und das Ende der Übung an.

c) Generalisieren/Verallgemeinern
Katzen lernen sehr leicht, wenn die umgebenden Bedingungen möglichst gleich bleiben, allerdings werden diese Bedingungen dann auch mit in die Lerninhalte aufgenommen. Das heißt, wenn Sie die Übungen bisher nur in der Küche und vor Mieze stehend geübt haben, sind "Sitz" und "Tipp" dort schnell sicher abrufbar. Jetzt soll sie noch lernen, dass dies auch gilt, wenn Sie z.B. vor oder neben ihr hocken, knien, sich über sie beugen oder einen Meter entfernt von ihr aufhalten (oder weiter?). Und auch, dass sie an anderen Orten, Zimmern, Möbeln, und zu anderen Tageszeiten auf Ihr Signal hin die Chance hat, sich eine Belohnung zu verdienen. Erhöhen Sie die Anforderungen langsam: mutieren Sie nicht zum Futterautomaten für immer dieselbe Ausführung, aber gestalten Sie die Aufgaben jeweils lösbar.

d) Clicker "ausschleichen"
Wenn die Katze eine Übung zuverlässig, überall und fast immer (es ist halt eine Katze, achten Sie auf ihre Motivation) auf das Signal hin ausführt, kann der Clicker ausgeschlichen werden, d.h. es wird nun nicht mehr jedes Mal für eine gelungene Übung geclickt, sondern zwischendurch "nur" verbal gelobt oder nur mit Leckerchen. Durch einen solchen Wechsel des Belohnungs- bzw. Verstärkungsmusters werden u.a. Mieze’s "Vergesslichkeit" und Ausdauer beeinflusst, vor allem hilfreich beim "Bleib"-Trainieren (bzw. Warten) – oder auch beim Betteln. Auch wenn der Clicker bald gar nicht mehr benötigt wird, sollte die Katze gelegentlich – am besten unregelmäßig – belohnt werden, und sei es nur mit einem herzlichen Lob.

  • Weitere Tipps
    Teilen Sie jede Übung in kleine Schritte ein: Da Ihre Katze gar nicht weiß, was da letztendlich von ihr verlangt werden soll, erleichtern Sie ihr das Lernen am Erfolg, indem Sie sich Ihrem Ziel langsam annähern.
  • Üben Sie jeden Schritt, bis Mieze den sicher verstanden hat, erst dann sollten Sie die Anforderungen erhöhen.
  • Clicken Sie nicht, um Ihre Katze zu rufen! Sie wird natürlich kommen, um ihr Leckerchen abzuholen, aber Sie haben sie vielleicht unabsichtlich für etwas ganz anderes belohnt – vielleicht, einer Artgenossin zu drohen, Essen vom Tisch zu stehlen, oder einen Ausbruchsversuch.
  • Beginnen Sie die Clickerübungen nicht zur Ablenkung von unerwünschtem Verhalten, wie "Sofakämmen" oder Regalaufräumen. Der Trainingsbeginn selbst wirkt schnell wie eine Belohnung auf Ihre Katze – achten Sie auf ihr Verhalten.
  • Da ein "Click" ohne folgendes Leckerchen sehr enttäuschend, sogar wie eine Strafe wirken kann, sollte jedem "Click" auch eine Belohnung folgen.

Warten ist eine leichte Übung für Katzen - wenn sie sich lohnt.Vorzüge und Anwendungsmöglichkeiten
Neben den schon beschriebenen Kunststückchen gibt es natürlich noch viele mehr. Einige, wie auch das "Warte" (Katzen sind prädestiniert für diese Übung), können in den Tagesablauf eingebunden werden und das Zusammenleben erleichtern. Die positiven Verstärkungen wirken sich außerdem auf Ihre Beziehung zu Mieze aus. Sie sind zu einem wichtigen Handelspartner geworden und haben in dieser Position wesentlich mehr Einfluss auf sie.

Vor allem die Artisten unter den Stubentigern üben sich gerne in Geschicklichkeitsspielen, z.B. Pingpong mit Mensch, oder bewältigen einen anspruchsvollen Agility-Parcours, der durch "chaining" (das Bilden von Verhaltensketten) trainiert wird. Der Parcours steht natürlich daheim im Katzen- oder Wohnzimmer und kann beliebig verändert oder erweitert werden. Schließlich ist beim Clickertraining der Weg das Ziel. Und auf dem Weg kann Mieze immer noch am meisten "verdienen".

Stressfreies Training von Fell- und Krallenpflege, Mund- und Zahnkontrolle und sonstiges Handling, auch bei Tierarztbesuch und Ausstellungen, sind nur einige von weiteren möglichen Anwendungen.

Und nicht zuletzt können Katzen, die das Clickertraining kennen, auch einfacher verhaltenstherapeutisch betreut werden, wenn dies nötig ist, z.B. in Form von Desensibilisierungs- oder Gegenkonditionierungsmaßnahmen.

Risiken und Nebenwirkungen
Wenn Sie täglich zu festen Übungszeiten trainieren, wird Ihre Katze diese bald einfordern. Dies empfehle ich nur Katzenhaltern mit sehr konstantem Tages- und Jahresablauf. Bei täglicher Übung können aber alternative Übungszeiten trainiert werden (z.B. wenn nicht nachmittags, dann abends), um Frustration zu vermeiden; so viel Zeit muss sein. Insbesondere Freigänger kann man durch unregelmäßiges Training leicht an nur gelegentliche Übungen gewöhnen.

Weitere Nebenwirkungen können sich dadurch ergeben, dass Ihre Katze lernt zu lernen und Erfolgserlebnisse sucht. Es kann also sein, dass Ihr Einstein auch Kunststückchen übt, die Ihnen gar nicht gefallen, z.B. Schubladen ausräumen oder Leckerlis auspacken. Hier helfen geeignete Managementmaßnahmen (z.B. Schlösser und bessere Verstecke), mehr Beschäftigung – und Verständnis für einen aufgeweckten Mitbewohner.

Die erfreuliche Nebenwirkung des Clickertrainings mit Stubentigern ist die Bekämpfung von Langeweile und Unterforderung, die häufige Ursachen für diverse Verhaltensprobleme sind. Eine beschäftigte und zufriedene Katze hat auch keine Probleme.

Möchten Sie das Clickertraining ausführlich kennen lernen? 
Zahlreiche sinnvolle Tipps erfahren Sie in meinem Seminar
"Der kleine Katzentrainer – so lernen Katzen" – über Lernen, Umgang und Beschäftigung.

© Birgit Rödder, 23. September 2008;
Original erschienen in "Katzen extra" 4/2008