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Von Katzen und Knackfröschen
Mit Clickertraining das Leben von Katzen bereichern, Teil
II
1. Lernziel: Clicker
klassisch konditionieren
Damit das bisher unbekannte Clickgeräusch zu einem zuverlässigen Signal für
die Belohnung wird, muss Mieze beide Reize miteinander verknüpfen. Den
geeigneten Zeitpunkt bestimmt hauptsächlich die Katze durch ihre
Aufnahmebereitschaft für Infos und Futter. Eine ruhige Atmosphäre ohne
Störungen und Ablenkungen unterstützt ihre Lernfähigkeit.
In dieser Lernphase wird – ohne
irgendwelche Anforderungen an die Katze – ein Mal geclickt und eine halbe
bis zwei Sekunden später (!) ein Leckerli präsentiert bzw. zugeworfen. Dies
wird etwa 30-40 Mal wiederholt. Wenn Sie nach diesen an 1-2 Tagen
durchgeführten Übungen einmal hinter dem Rücken Ihrer Mieze clicken und die
dreht sich sofort zu Ihnen um, ist das erste Lernziel erreicht – die
klassische Konditionierung ist abgeschlossen, die Verknüpfung zwischen
Clicker und Belohnung sitzt.
2. Lernziel: operante
Konditionierung
Während es für Sie nun heißt, gewünschte Verhaltensweisen Ihrer Katze zu
verstärken und "unter Kommando zu stellen", wird Ihre Katze lernen,
dass sie das "Click" und damit ihre Erfolge selbst beeinflussen
kann.
Einfache Startübung
Für den Anfang wählt man am besten eine sehr leichte Übung, z.B. das "Sitz".
Warten Sie einfach, bis Ihre Katze sich zufällig hinsetzt und clicken Sie
genau in dem Moment (einmal), in dem ihr Popo den Boden berührt. Sie wird
sofort kommen, um ihre Belohnung abzuholen, dafür also wieder aufstehen. Dies
ist völlig normal; der "Click" verstärkt und beendet eine
Teilübung bzw. das Verhalten. Mieze wird sich später wieder hinsetzen –
und wieder genau im richtigen Moment ein "Click" bekommen – und
die Belohnung. Nach einigen dieser Aktionen wird sie sich spontan und gerne
vor Ihren Augen hinsetzen – und ihre Belohnung bekommen. Jetzt können Sie
die Anforderungen langsam steigern und einzelne Sekunden Sitzdauer "verlangen",
bevor Sie clicken. Wenn Mieze nach dem Hinsetzen sofort wieder aufsteht, wird
dies nicht kommentiert, sondern lediglich ignoriert. Nach einigen Versuchen
lernt sie daraus, dass Hinsetzen und Sitzen bleiben zu einem angenehmen Erfolg
führt – "Click" und Leckerli.
a) Verhalten formen (shaping)
Einige Verhaltensweisen, wie Hinsetzen, Wälzen/Rollen oder Hinlegen, werden
spontan gezeigt und können als solches verstärkt und mit einem Signal
gekoppelt werden. Bei komplexerem Verhalten, wie z.B. "High Five"
(Hand-Pfoten-Schlag) oder "Löwe/Tiger" (Hinsetzen und beide
Vorderpfoten hoch), können Sie lange warten, bis Mieze dies spontan und
perfekt ausführt. Hier ist es mehr als hilfreich, zuerst mit einer kleinen
Annäherung an die gewünschte Bewegung zufrieden zu sein und diese zu
verstärken. Da Ihre Katze am Erfolg lernen soll, müssen Sie ihr diesen auch
ermöglichen, damit sie weiter mitspielt. Werden die ersten, richtigen
Bewegungsansätze sicher ausgeführt, dann können die Anforderungen langsam
steigen. Im Laufe der Übungen entwickelt sich das Verhalten weiter, es wird
quasi geformt.
Als Beispiel dient hier das Target, ein
Stöckchen (z.B. Zeigestock, Essstäbchen), das die Katze mit der Nase (evtl.
Pfote) berühren soll. Es ist später hervorragend zum "Dirigieren"
der Katze geeignet und zur Unterstützung anderer Übungen.
Zuerst hält man das Target einige Zentimeter
vor Mieze’s Nase. Neugierig wird sie sich nähern – und ein "Click"
bekommen. Nehmen Sie erst das Target zur Seite und geben Sie schnell das
Leckerli. Nach einigen Wiederholungen soll das Target tatsächlich mit der
Nase berührt werden. Funktioniert dies sicher, dann üben Sie anschließend
längere Berührungen. Jetzt wird die Position des Targets verändert, so dass
die Katze sich für einen Erfolg bewegen muss; zuerst nur ein bis zwei
Schritte, bei sicheren Erfolgen langsam mehr.
b) Einführung eines
Signals/Kommandos
Erst jetzt, wenn Sie auf das Hinsetzen, bzw. die Targetberührung, Ihrer Mieze
wetten würden, ist es angebracht, unmittelbar vorher das Signal, z.B. "Sitz",
bzw. "Touch" oder "Tipp", zu sagen, für dessen
Ausführung natürlich wieder ein "Click" kommt. Nach einigen
Wiederholungen wird nicht mehr für spontan gezeigtes Verhalten (Hinsetzen)
geclickt, sondern nur noch für aufgefordertes, und das Verhalten so "unter
Kommando gestellt". Mieze wird sich auch weiterhin ohne vorheriges Signal
hinsetzen, wenn ihr danach ist, dafür dann aber keine Belohnung bekommen.
Wenn Sie explizit die Targetberührung der
Katzennase mit dem verbalen Signal koppeln, können Sie das Target ohne "Kommando"
als reines "Bitte folgen" einsetzen. Das "Tipp" kündigt
dann den gewünschten Nasenkontakt zum Target und das Ende der Übung an.
c)
Generalisieren/Verallgemeinern
Katzen lernen sehr leicht, wenn die umgebenden Bedingungen möglichst gleich
bleiben, allerdings werden diese Bedingungen dann auch mit in die Lerninhalte
aufgenommen. Das heißt, wenn Sie die Übungen bisher nur in der Küche und
vor Mieze stehend geübt haben, sind "Sitz" und "Tipp"
dort schnell sicher abrufbar. Jetzt soll sie noch lernen, dass dies auch gilt,
wenn Sie z.B. vor oder neben ihr hocken, knien, sich über sie beugen oder
einen Meter entfernt von ihr aufhalten (oder weiter?). Und auch, dass sie an
anderen Orten, Zimmern, Möbeln, und zu anderen Tageszeiten auf Ihr Signal hin
die Chance hat, sich eine Belohnung zu verdienen. Erhöhen Sie die
Anforderungen langsam: mutieren Sie nicht zum Futterautomaten für immer
dieselbe Ausführung, aber gestalten Sie die Aufgaben jeweils lösbar.
d) Clicker "ausschleichen"
Wenn die Katze eine Übung zuverlässig, überall und fast immer (es ist halt
eine Katze, achten Sie auf ihre Motivation) auf das Signal hin ausführt, kann
der Clicker ausgeschlichen werden, d.h. es wird nun nicht mehr jedes Mal für
eine gelungene Übung geclickt, sondern zwischendurch "nur" verbal
gelobt oder nur mit Leckerchen. Durch einen solchen Wechsel des Belohnungs-
bzw. Verstärkungsmusters werden u.a. Mieze’s "Vergesslichkeit"
und Ausdauer beeinflusst, vor allem hilfreich beim "Bleib"-Trainieren
(bzw. Warten) – oder auch beim Betteln. Auch wenn der Clicker bald gar nicht
mehr benötigt wird, sollte die Katze gelegentlich – am besten
unregelmäßig – belohnt werden, und sei es nur mit einem herzlichen Lob.
Teilen Sie jede Übung in kleine Schritte ein: Da Ihre Katze gar nicht weiß,
was da letztendlich von ihr verlangt werden soll, erleichtern Sie ihr das
Lernen am Erfolg, indem Sie sich Ihrem Ziel langsam annähern.
Üben Sie jeden Schritt, bis Mieze den sicher
verstanden hat, erst dann sollten Sie die Anforderungen erhöhen.
Clicken Sie nicht, um Ihre Katze zu rufen!
Sie wird natürlich kommen, um ihr Leckerchen abzuholen, aber Sie haben sie
vielleicht unabsichtlich für etwas ganz anderes belohnt – vielleicht, einer
Artgenossin zu drohen, Essen vom Tisch zu stehlen, oder einen
Ausbruchsversuch.
Beginnen Sie die Clickerübungen nicht zur
Ablenkung von unerwünschtem Verhalten, wie "Sofakämmen" oder
Regalaufräumen. Der Trainingsbeginn selbst wirkt schnell wie eine Belohnung
auf Ihre Katze – achten Sie auf ihr Verhalten.
Da ein "Click" ohne folgendes
Leckerchen sehr enttäuschend, sogar wie eine Strafe wirken kann, sollte jedem
"Click" auch eine Belohnung folgen.
Vorzüge und
Anwendungsmöglichkeiten
Neben den schon beschriebenen Kunststückchen gibt es natürlich noch viele
mehr. Einige, wie auch das "Warte" (Katzen sind prädestiniert für
diese Übung), können in den Tagesablauf eingebunden werden und das
Zusammenleben erleichtern. Die positiven Verstärkungen wirken sich außerdem
auf Ihre Beziehung zu Mieze aus. Sie sind zu einem wichtigen Handelspartner
geworden und haben in dieser Position wesentlich mehr Einfluss auf sie.
Vor allem die Artisten unter den Stubentigern
üben sich gerne in Geschicklichkeitsspielen, z.B. Pingpong mit Mensch, oder
bewältigen einen anspruchsvollen Agility-Parcours, der durch "chaining"
(das Bilden von Verhaltensketten) trainiert wird. Der Parcours steht
natürlich daheim im Katzen- oder Wohnzimmer und kann beliebig verändert oder
erweitert werden. Schließlich ist beim Clickertraining der Weg das Ziel. Und
auf dem Weg kann Mieze immer noch am meisten "verdienen".
Stressfreies Training von Fell- und
Krallenpflege, Mund- und Zahnkontrolle und sonstiges Handling, auch bei
Tierarztbesuch und Ausstellungen, sind nur einige von weiteren möglichen
Anwendungen.
Und nicht zuletzt können Katzen, die das
Clickertraining kennen, auch einfacher verhaltenstherapeutisch betreut werden,
wenn dies nötig ist, z.B. in Form von Desensibilisierungs- oder
Gegenkonditionierungsmaßnahmen.
Risiken und Nebenwirkungen
Wenn Sie täglich zu festen Übungszeiten trainieren, wird Ihre Katze diese
bald einfordern. Dies empfehle ich nur Katzenhaltern mit sehr konstantem
Tages- und Jahresablauf. Bei täglicher Übung können aber alternative
Übungszeiten trainiert werden (z.B. wenn nicht nachmittags, dann abends), um
Frustration zu vermeiden; so viel Zeit muss sein. Insbesondere Freigänger
kann man durch unregelmäßiges Training leicht an nur gelegentliche Übungen
gewöhnen.
Weitere Nebenwirkungen können sich dadurch
ergeben, dass Ihre Katze lernt zu lernen und Erfolgserlebnisse sucht. Es kann
also sein, dass Ihr Einstein auch Kunststückchen übt, die Ihnen gar nicht
gefallen, z.B. Schubladen ausräumen oder Leckerlis auspacken. Hier helfen
geeignete Managementmaßnahmen (z.B. Schlösser und bessere Verstecke), mehr
Beschäftigung – und Verständnis für einen aufgeweckten Mitbewohner.
Die erfreuliche Nebenwirkung des
Clickertrainings mit Stubentigern ist die Bekämpfung von Langeweile und
Unterforderung, die häufige Ursachen für diverse Verhaltensprobleme sind.
Eine beschäftigte und zufriedene Katze hat auch keine Probleme.
Möchten Sie das Clickertraining ausführlich
kennen lernen?
Zahlreiche sinnvolle Tipps erfahren Sie in meinem Seminar "Der kleine Katzentrainer –
so lernen Katzen" –
über Lernen, Umgang und Beschäftigung.
© Birgit Rödder, 23.
September 2008;
Original erschienen in "Katzen extra" 4/2008 |