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Diplom-Biologin Birgit Rödder

Tierverhaltenstherapie
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Unsauberkeit bei Katzen

 

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Unsauberkeit
  Moritz bei der vorbildlichen Benutzung eines Katzenklos

Das Harn- oder Kot-Absetzen an nicht dafür vorgesehenen Stellen wird oft als Unsauberkeit bezeichnet. Es ist das häufigste Problem, mit dem Katzenhalter Tierverhaltenstherapeuten oder Tierpsychologen aufsuchen, und auch eines der schwierigsten, da dieses Verhalten eine Vielzahl von verschiedenen Ursachen haben kann.

In einem Mehr-Katzen-Haushalt muss vor einer Therapie der Katze/n zunächst unbedingt sichergestellt werden, wer der oder die Verursacher/in ist. Selbst wenn Sie eine Katze in flagranti erwischen, kann es sehr gut möglich sein, dass noch eine andere "tätig" ist und die erwischte Katze nur ein "Mitläufer". 

Bei allen "flüssigen" Hinterlassenschaften unterscheidet man zwischen Harn-Absetzen und Harn-Spritzen (Markieren), die unterschiedlichen Funktionskreisen des Verhaltens angehören.

Harn-Absetzen  
an nicht dafür vorgesehenen Stellen wird allgemein als Unsauberkeit bezeichnet. Die Katze "macht" an eine Stelle außerhalb des Katzenklos, das Katzenklo wird nicht mehr oder nur noch selten zum Urinieren aufgesucht. Man findet die Pfützen offen oder versteckt, es werden aber nur liegende Gegenstände verschmutzt, z.B. Badematte oder Kleidung, oder der Boden selbst. Das Urinieren außerhalb des Katzenklos wird oft von weiteren Änderungen im Verhalten der Katze begleitet, z.B. Unsicherheit, Ängstlichkeit. 
Zunächst muss eine organische Erkrankung ausgeschlossen werden, z.B. FUS (Felines Urologisches Syndrom). Wenden Sie sich zuerst an Ihren Tierarzt. Bis Ihre Katze sich wieder erholt hat, sollten Sie weitere Katzenklos aufstellen, so dass sie es nie besonders weit zum nächsten "Örtchen" hat.

Die häufigsten psychischen Ursachen sind "Katzenklo-Probleme", z.B. zu wenig Örtlichkeiten. Gönnen Sie Ihrer Einzelkatze zwei Katzenklos und bringen Sie in einem Mehr-Katzen-Haushalt immer ein Klo mehr unter, als Katzen bei Ihnen wohnen (4 Katzen: 5 Katzenklos). Außerdem können Einstreu, zu seltener oder zu häufiger Wechsel der Streu oder die Abdeckung weitere Kriterien sein, die Ihre Katze abschrecken.

Harn-Spritzen 
wird allgemein Markieren genannt. Hierbei wird das Katzenklo weiterhin benutzt, außerhalb des Katzenklos findet man (meist nur wenig) Urin an bevorzugt senkrechten Gegenständen, z.B. Türrahmen, Haus- oder Wandecken, Stuhl- oder Tischbeinen o.ä. Die "Tätigkeit" wird meist mit einer sehr charakteristischen Körperstellung und Verhaltensweise ausgeübt: Die Katze wendet ihr Hinterteil mit leicht gekrümmtem Rücken und aufgerichtetem Schwanz einem Objekt zu, hebt mehrmals abwechselnd die Hinterbeine, die Schwanzspitze zittert oder zuckt. Es wird ein Urinstrahl nach hinten abgegeben. Kätzinnen können auch in normaler "Pinkelstellung" harnspritzen. Die so behandelte Stelle wird – im Gegensatz zum Harn-Absetzen – anschließend nicht beschnuppert. 
Das Harn-Spritzen gehört zu den natürlichen Verhaltensweisen der Katzen, durch das sie mit Artgenossen kommunizieren und ihre Reviere markieren (markiert wird außerdem mit Kratzspuren). Es wird am häufigsten von intakten (unkastrierten und unsterilisierten) Tieren gezeigt (Kater häufiger als Katzen) und tritt nach einer Kastration mit nur noch 10 %-iger Wahrscheinlichkeit auf. 
Aber auch kastrierte Katzen können harnspritzen. In Haushalten mit mehr als 10 Katzen wird hundertprozentig mindestens eine Katze Ihre Wohnung "beduften", auch wenn alle kastriert sind. Die Wahrscheinlichkeit steigt also mit der Anzahl gemeinsam gehaltener Katzen, und auch die Katzendichte in der Nachbarschaft übt hier unter Umständen einen Einfluss aus.

Als mögliche Ursache kommt jede Änderung im Lebensumfeld der Katze in Betracht, die sie verunsichert, z.B.: neue oder umgestellte Möbel, neue/r Partner/in oder sonstiger Familienzuwachs, auch ein neues Haustier. Es hat daher wenig Sinn, die Katze zu schimpfen oder sie zu schlagen, da Sie nur die Beziehung zu Ihrer Katze negativ beeinflussen! Auch eine anonyme Bestrafung wird wahrscheinlich nur dazu führen, dass der Ort des Geschehens gewechselt wird. Es gilt also, die Ursache zu finden und möglichst zu beseitigen. Für den Mehr-Katzen-Haushalt kann dies auch bedeuten, die Anzahl der Katzen zu verringern.

Kot-Absetzen  
außerhalb des Katzenklos hängt - wie auch das Harn-Absetzen - hauptsächlich zusammen mit einem der oben genannten "Katzenklo-Probleme" oder mit organischen Problemen, z. B. Durchfall. Das weitere Vorgehen ist klar: zunächst der Gang zum Tierarzt, um die Erkrankung behandeln zu lassen. 

Katzenurin und Kot hat auf die meisten Materialien eine verheerende Wirkung und ist nach mehrmaliger "Deponierung" nur schwer wieder völlig zu entfernen. Da der Uringeruch Katzen motiviert, diese Stelle/n auch weiterhin als Klo zu benutzen, empfiehlt es sich, das Verhaltensproblem schnell zu lösen, zumal eine Therapie meist umso langwieriger wird, je länger das Problemverhalten besteht und zur Gewohnheit wurde.

© Birgit Rödder, 15. August 2008