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Unsauberkeit
Das Harn- oder Kot-Absetzen an
nicht dafür vorgesehenen Stellen wird oft als Unsauberkeit bezeichnet.
Es ist das häufigste Problem, mit dem Katzenhalter Tierverhaltenstherapeuten oder Tierpsychologen
aufsuchen, und auch eines der schwierigsten, da dieses Verhalten eine Vielzahl von
verschiedenen Ursachen haben kann.
In einem
Mehr-Katzen-Haushalt muss vor einer
Therapie der Katze/n zunächst unbedingt sichergestellt
werden, wer der oder die Verursacher/in ist. Selbst wenn Sie eine Katze in flagranti erwischen, kann es sehr gut möglich sein, dass noch
eine andere "tätig" ist und die erwischte Katze nur ein
"Mitläufer".
Bei allen "flüssigen"
Hinterlassenschaften unterscheidet man zwischen Harn-Absetzen
und Harn-Spritzen (Markieren), die
unterschiedlichen Funktionskreisen des Verhaltens angehören.
Harn-Absetzen
an nicht
dafür vorgesehenen Stellen wird allgemein als Unsauberkeit
bezeichnet. Die Katze "macht" an eine Stelle außerhalb des
Katzenklos, das
Katzenklo wird nicht mehr oder nur noch selten zum Urinieren aufgesucht. Man
findet die Pfützen offen oder versteckt, es werden aber nur liegende
Gegenstände verschmutzt, z.B. Badematte oder Kleidung, oder der Boden
selbst. Das Urinieren außerhalb des Katzenklos wird
oft von weiteren Änderungen im Verhalten der Katze begleitet, z.B. Unsicherheit,
Ängstlichkeit.
Zunächst muss
eine
organische Erkrankung ausgeschlossen werden, z.B. FUS (Felines Urologisches
Syndrom). Wenden Sie sich zuerst an Ihren Tierarzt. Bis
Ihre Katze sich wieder erholt hat, sollten Sie weitere Katzenklos aufstellen, so dass sie es nie besonders weit zum
nächsten "Örtchen" hat.
Die häufigsten psychischen Ursachen sind "Katzenklo-Probleme",
z.B. zu wenig Örtlichkeiten. Gönnen Sie Ihrer
Einzelkatze zwei Katzenklos und bringen Sie in einem
Mehr-Katzen-Haushalt immer ein Klo mehr unter, als Katzen bei Ihnen
wohnen (4 Katzen: 5 Katzenklos). Außerdem können Einstreu, zu
seltener oder zu häufiger Wechsel der Streu oder die Abdeckung weitere
Kriterien sein, die Ihre Katze abschrecken.
Harn-Spritzen
wird allgemein Markieren genannt.
Hierbei wird das
Katzenklo weiterhin benutzt, außerhalb des Katzenklos findet man (meist
nur wenig) Urin an bevorzugt senkrechten Gegenständen, z.B. Türrahmen, Haus-
oder Wandecken, Stuhl- oder Tischbeinen o.ä. Die
"Tätigkeit" wird meist mit einer sehr charakteristischen Körperstellung und
Verhaltensweise ausgeübt: Die Katze wendet ihr Hinterteil mit leicht
gekrümmtem Rücken und aufgerichtetem Schwanz einem Objekt zu,
hebt mehrmals abwechselnd die Hinterbeine, die Schwanzspitze zittert
oder zuckt. Es wird ein Urinstrahl nach hinten abgegeben. Kätzinnen
können auch in normaler "Pinkelstellung" harnspritzen. Die so behandelte Stelle wird – im Gegensatz zum
Harn-Absetzen
– anschließend nicht beschnuppert.
Das Harn-Spritzen gehört zu den natürlichen
Verhaltensweisen der Katzen, durch das sie mit Artgenossen kommunizieren
und ihre Reviere markieren (markiert wird außerdem mit Kratzspuren). Es wird am häufigsten von intakten
(unkastrierten und unsterilisierten) Tieren gezeigt (Kater häufiger als
Katzen) und tritt nach einer Kastration mit nur noch 10 %-iger
Wahrscheinlichkeit auf. Aber auch kastrierte Katzen können harnspritzen. In Haushalten mit mehr als 10 Katzen wird hundertprozentig mindestens
eine Katze Ihre Wohnung "beduften", auch wenn alle kastriert sind. Die Wahrscheinlichkeit steigt also mit der Anzahl
gemeinsam gehaltener Katzen, und auch die
Katzendichte in der Nachbarschaft übt hier unter Umständen einen
Einfluss aus.
Als mögliche Ursache kommt jede
Änderung im Lebensumfeld der Katze in Betracht, die sie verunsichert,
z.B.: neue oder umgestellte Möbel, neue/r Partner/in oder sonstiger
Familienzuwachs, auch ein neues Haustier. Es hat daher wenig Sinn, die Katze zu schimpfen
oder sie zu schlagen, da Sie nur die Beziehung zu Ihrer Katze negativ beeinflussen! Auch eine anonyme Bestrafung wird wahrscheinlich nur
dazu führen, dass der Ort des Geschehens gewechselt wird. Es gilt also,
die Ursache zu finden und möglichst zu beseitigen. Für den Mehr-Katzen-Haushalt
kann dies auch bedeuten,
die Anzahl der Katzen zu verringern.
Kot-Absetzen
außerhalb
des Katzenklos hängt - wie auch das Harn-Absetzen - hauptsächlich
zusammen mit einem der oben genannten "Katzenklo-Probleme"
oder mit organischen Problemen, z. B.
Durchfall. Das weitere
Vorgehen ist klar: zunächst der Gang zum Tierarzt, um die Erkrankung behandeln zu lassen.
Katzenurin und Kot hat auf
die meisten Materialien eine verheerende Wirkung und ist nach mehrmaliger
"Deponierung" nur schwer wieder völlig zu entfernen. Da der Uringeruch Katzen motiviert, diese Stelle/n
auch weiterhin
als Klo zu benutzen, empfiehlt es sich, das Verhaltensproblem schnell zu
lösen,
zumal eine Therapie meist umso langwieriger wird, je länger das
Problemverhalten besteht und zur Gewohnheit wurde.
© Birgit Rödder, 15. August 2008 |