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Wichtig: Verhütung und Schutz

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Nachgestellte Szene der Targetübung dieser Studie

Katzen lernen eine Menge Unfug, wenn er sich lohnt. Sie lernen auch gerne und schnell Tricks, wenn man ihren „Lohn“ geschickt einsetzt, sogar wenn man die Belohnung nur fest verspricht. Dabei können Details darüber entscheiden, was genau die Katze lernt und ob ihr Lernen Spaß bringt oder Frust, wie Wissenschaftler herausfanden.

Futter, Click & Co. als Belohnungen

Will man einer Katze etwas beibringen, belohnt man alle ihre Bewegungen in die gewünschte Richtung, man verstärkt sie, wie Ethologen sagen, und zwar mit unkonditionierten oder konditionierten Verstärkern.

Unkonditionierte bzw. primäre Verstärker kennt jeder, auch Mieze, es ist alles, über das sie sich freut. Futter ist ein sehr guter unkonditionierter Verstärker, zumindest wenn die Katze Appetit hat. Sie macht etwas Lustiges, bekommt dafür etwas Leckeres und speichert diesen Zusammenhang spätestens nach ein paar Wiederholungen zufrieden ab - Lustiges zu machen, lohnt sich.

Einen konditionierten Verstärker muss sie erst erlernen, er verspricht eine Belohnung, ist quasi ein Symbol für dieses Versprechen. Katzen kennen konditionierte Verstärker wie Futternapf-auf-Anrichte- und TroFu-rappelt-in-Pappschachtel-Geräusche: wenn nach solchen Ereignissen Leckereien gereicht werden - und das passiert eigentlich immer -, speichert die Katze die Geräusche als Hinweise auf Essen ab und bekommt Appetit, sobald sie die hört und schon bevor der Napf vor ihr steht. Kaum jemand ist in der Lage, heimlich Essen vorzubereiten, ohne dass seine Katze ihm dabei erwartungsvoll zuschaut (oder mehr Initiative zeigt); das funktioniert höchstens, wenn sie pappsatt ist.
Ein konditionierter Verstärker kann auch z.B. ein Clicker, Buzzer, Beep oder ein anderer auffälliger Eindruck sein, der unmittelbar vor einer tatsächlichen Belohnung (Futter) erscheint. Wenn man diese Kombination einige Male wiederholt, wird das Geräusch klassisch konditioniert: wenn sie es hört, erwartet die Katze gespannt Futter. Dann funktioniert das spezielle Geräusch als Belohnungsversprechen und wir können eine bestimmte Tätigkeit der Katze damit verstärken; sie lernt schnell, welche Manöver erfolgreich sind und welche nicht. Damit können wir ihr praktische und lustige Sachen beibringen, weil sie das Geräusch im Zweifelsfall besser und schneller erkennt als ein Leckerli.

Man nennt diese Art Verstärker auch Marker oder bridging stimulus, also ein Reiz/Geräusch, das gewünschtes Verhalten „markiert“ und die Zeit bis zur Lieferung des primären Verstärkers überbrückt. Die Bezeichnung sekundärer Verstärker bezieht sich darauf, dass die Katze sich letztendlich durch ein Signal belohnt fühlt, mit dem sie eigentlich gar nichts anfangen kann, sie kann es nicht essen, es wärmt nicht und eignet sich auch nicht zum Schmusen.

Methoden und Ziel

Wissenschaftler aus Neuseeland haben nun untersucht, mit welcher Methode man Katzen am schnellsten einen neuen Trick beibringen kann: mit einem unkonditionierten Verstärker (Futter), einem konditionierten (Beep und Futter) oder nur mit einem sekundären Verstärker (Beep).

Als Probanden dienten Katzen, die als Testesser bei einem Futtermittelhersteller lebten, verstärkt wurde mit einem „Treat and Train device“, einem Futterspender mit Fernbedienung. Dieser gibt in der Grundeinstellung auf Knopfdruck ein mechanisches Rappelgeräusch, gefolgt von einem TroFu in den integrierten Napf, aus. Mit einer anderen Einstellung gibt das Gerät vorher einen Beep-Ton ab, also Beep-Rappel-TroFu. Und in einer weiteren Einstellung Beep, Rappeln, aber kein Futter. Die Katzen wurden in diese drei Gruppen aufgeteilt und sollten durch die jeweilige Verstärkungsmethode lernen, mit der Nase ein Target zu berühren, einen auf dem Boden stehenden Stab mit rotem Knubbelkopf (Foto einer mit Kato und ähnlichem Objekt nachgestellten Szene). Diese Aufgabe wurde sinnvollerweise geformt, d.h. in sehr kleinen Schritten durch Verstärkung erst nur beim Anschauen, dann bei erster Annäherung, dann in vier immer kleineren Abständen zum Target, und final bei Nase-Target-Berührung.
Eine vierte Katzengruppe sollte zeigen, wie lange es dauert, bis sie auf das Beep nicht mehr reagiert, wenn sie nach der Konditionierung nie wieder Futter bekommt - man nennt das Extinktion, also Löschung der Beep-Futter-Verknüpfung. Nach etwa elf „leeren“ Beeps ignorierten die Katzen das Geräusch.

Effektive Methoden

Am schnellsten berührten die Katzen das Target mit der Nase, die eigentlich primär verstärkt werden sollten; uneigentlich hörten sie unweigerlich das Rappelgeräusch vor der Futterausgabe, ein klassisch konditionierter Ton, der im Zweifelsfall dazu führt, dass die Katze die gewünschte Bewegung besser erkennt als ein irgendwo erscheinendes Leckerli (Stichwort Timing!).

Ungefähr genauso viele „Anläufe“ zum Ziel brauchten die Katzen mit dem zusätzlichen Beep (bridging stimulus) für ihren Lernerfolg, auch wenn sie sich etwas mehr Zeit für die Aufgabe ließen als ihre „Rappel-Futter-Kollegen“.

Die falsche Methode

Die Katzen der dritten Gruppe versagten kläglich, sie erreichten das „Klassenziel“ nicht. Sie hatten es aber auch von allen am schwersten: Nachdem sie gelernt hatten, dass Beep und Rappeln Futter ankündigt, bekamen sie für jedes Interesse und jede Bewegung zum Target nur noch Geräusche, die „versprochene“ Belohnung blieb aus. Allerdings bekamen sie nach jedem fünften Durchgang ein Beep mit primärem Verstärker (Futter) geschenkt, damit diese Verknüpfung möglichst nicht gelöscht wird - Anhaltspunkt war das Ergebnis der Extinktionsgruppe, die ja nach elf „falschen Versprechungen“ gar nicht mehr mit Futter rechnete; dies wollte man verhindern.

Dieses Ergebnis spricht Bände! Die Katzen der Sekundärverstärkergruppe mussten erkennen, dass Interesse am Target und sich nähern in einer Enttäuschung endete - es kam zwar der (vielsagende) Ton, aber so gar nichts Brauchbares bzw. Erwartetes hinterher. Das Beep hatte seine Aussagekraft verloren, war sogar zu einem falschen Versprechen geworden. Auf derart unberechenbares Verhalten reagierten die Katzen mit aggressivem Verhalten gegen die Trainerin, bissen und kratzten sie und sprangen dazu auch auf ihren Schoß. Eine der Katzen äußerte ihre Wut so massiv, dass sie frühzeitig disqualifiziert werden musste, weil die Trainerin ein schlimmes Ende befürchtete.

"Clickerfreak" Christa mit Birgit Rödder beim Sprung durch einen Reifen

Bezug zur Realität

Wenn eine Katze für eine Aufgabe gelegentlich keine Belohnung bekommt, wird sie geduldiger, ausdauernder und behält sie besser im Gedächtnis. Aus ihrer Sicht funktioniert der Trick nicht jedes Mal, aber sicher bald wieder, man bleibt also am Ball. Zumal Katzen sehr gerne lernen, was zu tun ist, um Erfolge zu feiern (eine große Auswahl an Übungen habe ich übrigens in der Katzen Clicker-Box zusammengetragen).
Ihr eine Belohnung fest zu versprechen, nachdem man ihr das Versprechen nach allen Regeln der Kunst beigebracht hat, und diese dann zu verweigern, ist allerdings eine Lüge. Bleibt man dabei, entlarvt die Katze es als leeres Versprechen und würde irgendwann mit Achselzucken reagieren, wenn sie denn die Achseln zucken könnte (und wollte). Das hat auch die „Löschungsgruppe“ in dieser Studie eindrucksvoll demonstriert.
Aber ihr Belohnungen (in Form von konditionierten Signalen) zuzusagen, die sie nur noch manchmal bekommt und nicht beeinflussen kann, führt zu Enttäuschung, sprich Frustration. Solche Menschen verhalten sich aus Sicht der Katze unberechenbar, launenhaft. Wer weiß, wie viel Wert Katzen auf Verlässlichkeit, Sicherheit und Kontrolle legen, der hält seine Versprechen, ob beim Clickertraining oder im täglichen Umgang.

Quelle: Willson, E.K., R.B. Stratton, C.F. Bolwell & K.J. Stafford (2017): Comparison of positive reinforcement training in cats: A pilot study. – Journal of Veterinary Behavior, 21: 64–70.

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